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WARUM MICH FASTEN BEGEISTERT
Keine andere naturheilkundliche Therapie zeigt das menschliche Potenzial zur Selbstheilung so eindrucksvoll wie das Fasten. Deshalb fasziniert mich dieses uralte Behandlungsverfahren, das als Lebenspraxis in vielen Kulturen der Welt existiert, so sehr. Denn das ist die hohe Kunst auch in der Medizin: Heilen durch Weglassen! Die Natur hat viele Überlebensmechanismen entwickelt, und die Prozesse, die beim Fasten stattfinden, gehören dazu. Wenn wir gezwungen sind, unsere Nahrung zu reduzieren oder für einige Zeit ganz darauf zu verzichten, führt das nicht unmittelbar zu einem Mangelzustand. Vielmehr wird der Stoffwechsel angeregt, sämtliche Energiereserven im Körper zu aktivieren. Das löst eine Art Reinigungsprozess aus: Unser Körper schüttet gesunde Botenstoffe aus, baut Fett ab und repariert Schäden. Gleichzeitig ist Fasten gut verträglich, kostet kaum Geld, verbessert die Lebensqua-lität, erfrischt die Seele und verschafft Ihnen darüber hinaus eine neue Sensibilität und mehr Genuss beim Essen. Was also will man mehr?
Ich empfehle den meisten meiner Pa-tientinnen und Patienten zu fasten und habe dabei sehr viel Erfahrung sammeln können. Fasten wirkt bei zahlreichen Erkrankungen positiv, denn es spricht die verschiedensten Ebenen an: Das Schmerzempfinden wird herabgesetzt, Entzündungen gehen zurück, Blutdruck und Blutzucker normalisieren sich, das Mikrobiom im Darm verändert sich, die Sinne werden empfindsamer und auch seelische Prozesse werden losgetreten. Die Impulse, die vom Nahrungsentzug ausgehen, zählen zu dem, was wir in der Naturheilkunde „Reiz-Reaktions-Therapien“ nennen: Sie bringen den Körper dazu, sich neu zu justieren, und wecken so seine Selbstheilungskräfte. Fasten kurbelt die Reparaturprozesse im Körper an und verlangsamt dadurch den Alterungsprozess. Vieles spricht dafür, dass man mit Fasten sogar das Leben verlängern kann.
WISSENSCHAFTLICHE BELEGE
Von den vielen verschiedenen, teilweise auch einseitigen Fastenmethoden haben sich zwei als am wirkungsvollsten herausgestellt: das uralte Heilfasten, das von Ärzten wie Otto Buchinger und Franz Xaver Mayr wieder in die Medizin eingeführt wurde, und das Intervallfasten, das seit rund einem Dutzend Jahren in vielen Varianten praktiziert wird. Dieses „intermittierende Fasten“ zeigte, dass es nicht nur auf die verzehrten oder eingesparten Kalorien ankommt, sondern auch auf unsere Chronobiologie – den Zeitpunkt, wann, und den Rhythmus, wie oft wir essen. Zahlreiche neue Erkenntnisse haben den Ehrgeiz der Wissenschaft geweckt, die gesundheitsfördernden Faktoren immer bes-ser herauszukristallisieren, um das Fasten zu erleichtern und möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. So ist letztlich das sogenannte Scheinfasten hinzugekommen, auf Englisch: „fasting mimicking“. Scheinfasten, das klingt vielleicht auf Anhieb etwas un-seriös – dahinter steckt aber ein wissenschaftlich fundierter Ansatz: Wenn man die tägliche Kalorienzahl auf etwa 600 bis 700 kcal beschränkt, tierische Proteine weglässt und die Zusammensetzung der Nahrung so wählt, dass die Bauchspeicheldrüse nicht oder nur wenig zur Arbeit angeregt wird – dann kann man damit ähnliche Effekte wie beim Heilfasten erzielen. Isoliert gesehen ist das Scheinfasten als medizinische Therapie fast genauso wirkungsvoll wie das radikalere Heilfasten. Aber gleichzeitig hat es das Potenzial, auch Menschen zu erreichen, die nicht völlig auf Nahrung verzichten wollen. Der große Vorteil des Scheinfastens ist, dass man damit seinen Alltag im Großen und Ganzen problemlos weiterführen kann.
DREIMAL FÜNF TAGE
Wenn Sie gut damit zurechtkommen, empfehle ich Ihnen sogar, auf diese entspannte Weise alle drei Monate eine kurze Fasten-Erholungspause für Ihren Stoffwechsel einzulegen – fünf Tage sind wirklich nicht lang und es lohnt sich. Wenn Sie den Vorschlägen folgen, werden Sie nicht einmal Hunger verspüren. Und wenn Sie das Scheinfasten regelmäßig praktizieren, können Sie den Alterungsprozessen im Körper systematisch entgegenwirken und erreichen damit sogar mehr, als wenn Sie sich ab und zu zum Heilfasten aufraffen würden. Deshalb möchte ich Ihnen mit diesem Buch das Scheinfasten etwas genauer vorstellen und näherbringen. Außerdem werden Sie viele genussvolle Rezepte dazu finden, die Sie ohne Probleme – und mit oder ohne Fasten – in jeder Lebenslage zubereiten können. Auf in das Abenteuer Scheinfasten, Sie werden sehen, wie gut Ihnen das tut!